Rückgabe meines „Echo“

Ich habe mich schweren Herzens dazu entschieden, dem guten Beispiel einiger anderer deutscher Musiker zu folgen und meinen „Echo“ zurückzugeben, den ich 2013 mit meiner damaligen Band „Wise Guys“ in der Kategorie „Crossover“ erhielt.

Ein paar Tage lang habe ich mit dem Gedanken gespielt, mich einfach „wegzuducken“ und abzuwarten, bis der Rauch sich verzogen hat. Aber ich kann und will nicht in einer Reihe mit „Künstlern“ stehen, die gezielt antisemitisch, frauenfeindlich und, ganz nebenbei, strunzdumm zu punkten versuchen (und damit erschreckender Weise ja tatsächlich punkten).

Als Vertreter der exotischen Randsportart „A-Cappella“ habe ich mich wirklich wahnsinnig darüber gefreut, einen „Echo“ zu erhalten. Ich war stolz darauf, und er hatte einen Ehrenplatz in meinem Wohnzimmer. Es schmerzt mich tatsächlich, ihn zurückzugeben. Eine vergleichbare Auszeichnung werde ich voraussichtlich in meinem Leben nicht mehr erhalten.

Ich finde jedoch den Gedanken, ihn aus rein persönlichen Motiven zu behalten, unerträglich. Es ist allerhöchste Zeit, dass noch viel mehr Menschen in Deutschland, denen Toleranz, Weltoffenheit, Nächstenliebe und Respekt wirklich etwas bedeutet, sich erheben, Zeichen setzen und sich äußern, und zwar auch dann, wenn es mal wirklich wehtut oder vielleicht einfach nur „uncool“ rüberkommt.

Da ich als Songwriter und Sänger der inzwischen aufgelösten A-cappella-Band „Wise Guys“ und aktuell der Band „Alte Bekannte“ keinesfalls so im medialen Fokus stehe wie viele meiner Kollegen, bin ich mir vollkommen darüber im Klaren, dass mein Entschluss nicht einmal im Ansatz die Resonanz hervorrufen wird, die ein vergleichbares Vorgehen beispielsweise von Mark Forster oder gar von Helene Fischer auslösen würde (was meines Erachtens wünschenswert und überfällig wäre). Dennoch möchte ich den Beitrag, den ich leisten kann, beisteuern, damit sich in Deutschland endlich mehr Menschen klar und deutlich positionieren – und nicht einfach schweigend darauf warten, dass irgendwann schon „alles wieder gut“ werden wird. Das wird nämlich nicht von alleine passieren.

 

Daniel „Dän“ Dickopf

 

Teile diesen Post