Du auch, mein Sohn Brutus!

Clemens legte vor, da hat es natürlich nicht lange gedauert, bis der Kelch an mich weiter gereicht wurde: „Wolfgarten! Jetzt schreib endlich diesen *#§$&+* Blog!!!“.
Will ich ja, echt! Aber der Übergang zu „Alte Bekannte“ ist manchmal etwas holprig. Ich freu’ mich wie Sau auf die Zukunft! Aber die alten Dinge gehen zu lassen, der Sprung ins kalte Wasser… das fordert Einen. Vor allem, wenn gerade Januar, die Zeit der schwersten Depressionen ist, man morgens den dicken Zeh aus dem Bett streckt und sofort scharf Luft durch die Zähne saugt, weil es so kalt ist. „Nur noch zehn Minuten!“

Ich hab mein ganzes Leben Musik gemacht. Na gut, die ersten 6 Jahre nicht. Da war ich noch zu sehr mit Sabbern und Schokolade essen beschäftigt. Mit erreichen des 6. Lebensjahres kam dann der obligatorische Fussballverein. Allerdings führte mein erstes Spiel bei den Idötzchen meinen Vater an die Grenzen der Vaterliebe: „Wie sag ich meinem Sohn, dass ich mich tot gelacht habe, ohne sein junges Ego zu zerstören?“

Heraus kam die Frage „Willst’e nich’ doch lieber Klavier spielen?“ Mein Papa ist ein weiser Mann!

 

Und jetzt ist mein Leben voller Musik. Da ist in der Hauptsache meine Partyband, denn das macht nicht nur Spaß, sondern ist auch, im Gegensatz zu sonstigen Künstlerengagements, einigermaßen stabil. Die Alternative wäre Unterricht. Habe ich mal probiert, hat auch Spaß gemacht, kollidierte aber zu sehr mit meinen Auftritten.
Und das Andere sind Projekte mit anderen Künstlern. Zum Beispiel habe ich 2012 mit so einer einigermaßen bekannten a capella Band auf der Bühne gestanden. Die hatte eine Platte gleich zweimal aufgenommen, einmal a capella, einmal mit Band. Wie hießen die noch? Feist Geiß? Reis Breis? Ich weiß nicht mehr… 😉
Dann habe ich für Bernd Stelter die musikalische Leitung übernommen für seine letzte CD Präsentation, habe mal als Keyboarder bei der Kelly Family gespielt… ach so, da war ja noch der Gregor! Mit Gregor Meyle habe ich seit etwa 2007 Musik gemacht. Die erste große Erfolgswelle erlebt, nachdem er das Casting bei Stefan Raab bis zum zweiten Platz hinter Steffi Heinzmann schaffte, die große Durststrecke, die für fast jeden Casting Gewinner kommt durchlebt, und dann den großen Erfolg nach „Sing mein Song“ mitgemacht. Jetzt ist es Zeit, das Alles gehen zu lassen.
Und je mehr wir mit „Alte Bekannte“ zusammen arbeiten, desto leichter fällt mir das. Gerade nach unserer ersten Probe bei Nils musste ich nochmal feststellen: eine Konstellation wie diese, wo alle zielstrebig in die selbe Richtung sehen, Dinge sofort ausgesprochen werden damit Probleme gar nicht erst aufkommen, gepaart mit so viel gleichem Humor, soviel Testosteron… nee, Moment… das ist jedenfalls sehr selten.

Ich hab lange darüber nachgedacht, ob es mir fehlen wird Keyboard zu spielen. Aber erstens überlegen wir, ob wir nicht irgendwann mal ein paar Nummern mit Klavier machen, und zweitens ist es extrem entspannend, mal „nur“ zu singen. Das heißt nicht, dass Singen einfach ist, sondern ich kann mich endlich mal 100%ig auf eine Sache konzentrieren und dadurch richtig machen.
Außerdem bleibt mir ja noch mein Studio, wo ich spielen kann, und wo wir die CD von „Alte Bekannte“ produzieren werden, und die Videos, die ich für Kawai und Korg drehe.
So, und jetzt hab ich keine Zeit mehr! Muss Songs machen… mit Alte Bekannte… muss CD produzieren… muss arrangieren… aber erstmal muss ich aus dem Bett raus. Verdammt!

Küsschen
Ingo

Alte Bekannte