Tourblog Nr. 32: Osnabrück, Melle-Buer, Göttingen, Delbrück

Hallo zusammen,

ein klein bisschen später diesmal, aber immerhin. 😉 So ist das eben, wenn man von seinem gewohnten Rhythmus abweicht. Aufgrund der Streikankündigungen bei der Bahn hatten Nils und ich relativ spontan entschieden, schon direkt nach dem Konzert in Delbrück nach Hause zu fahren. Ich hab dann zwar im Zug schon angefangen, ein paar Notizen zu machen, aber das Bier hat auch ganz gut geschmeckt. Also bin ich nicht fertig geworden, wollte aber in den vergangenen Tagen auch mal frei machen. Jetzt geht’s aber auf in Richtung letztes Tourwochenende, also kann ich auch wieder arbeiten. 😉

Die vorletzte Konzert-Mini-Tour begann in Osnabrück. In der Osnabrückhalle. Mal wieder eine Halle, die ich schon kannte. Allerdings bisher nur den großen Saal. Wir waren aber nebenan im Kleinen. Auch ganz nett. Fragt mich mal, warum ich das obligatorische Foto vom Saal vergessen hab. Sollte aber auch nicht das einzige Mal gewesen sein an diesem Wochenende. Meine Ausrede für Osnabrück ist unser Besuch im Soundcheck (siehe Foto). Das ist Adam. Unser erster (und vielleicht momentan auch einziger) Fan aus Australien. Da in absehbarer Zeit keine Tour Down Under geplant ist, dachte sich Adam, dass er eben eine Tour in Deutschland macht. Mit drei Konzerten von uns. Sein zweites war in Osnabrück und da hatten wir ihn zum Soundcheck eingeladen und anschließend noch ein bisschen gequatscht. Auf deutsch, da Adam gerne üben wollte. 😉

Der Saal in Osnabrück hatte auf jeden Fall Eigenschaften, die erinnerungswürdig sind. Zum einen konnten wir von der Bühne aus hinaus auf die Straße sehen. Das passiert ja doch äußerst selten. Ist aber immer wieder interessant und spannend. Diesmal hätten wir nach Ampelphasen singen können. Bei grün darf gesungen werden, bei rot nicht. Oder wie auch immer. Vielleicht eine Idee für nächstes Jahr an der selben Stelle. 😉 Eine zweite Besonderheit war der Platz für unseren Lichttechniker. Der saß nämlich ein Stockwerk über allen und schaute also von oben herab. Die Kabine war zudem so hell beleuchtet (und generell war es nicht so dunkel im Saal, auch durch die fehlenden Vorhänge/Rolläden an den Fenstern), dass man Chris sehr gut wahrnehmen konnte. Besonders witzig wirkte auf mich die Stelle in „Der Dings“, wenn der Protagonist vorm Petrus steht und gefragt wird, wie er denn heißt. Diese Stelle wurde diesmal in meinem Kopf sehr bildlich.

Das Publikum in Osnabrück war total begeisterungswillig. Vorreiter war eine vierköpfige Familie in der ersten Reihe. Schon in der ersten Hälfte sprang die Mama auf, als Clemens mit dem Intro von Billy Jean anfing. Was dann folgte war eine nahezu wortlose Kommunikation mit der Tochter (Pubertät!). Ich konnte aber genau sehen, worum es ging. „Los, komm. Tanzen. Cooler Beat.“, „Nee, lass mal.“, „Was denn? Du tanzt doch sonst gern.“, „Macht ja aber gar keiner mit.“, „Doch ich!“, „Ach Mama, du bist peinlich…“ und so weiter. Ende vom Lied: Mama hat es noch ein bisschen versucht, sich dann aber auch wieder hingesetzt. Keine Ahnung, ob sich die Familie dann in der Pause abgesprochen hat, aber bei den ersten Akkorden von „Wir sind da!“ sind die vier dann gemeinsam aufgesprungen und waren so Vorbild für viele andere. Am Ende stand schon bei diesem Song fast der ganze Saal. Yes! 🙂

Am Freitag ging es nur ein paar Kilometer aufs Land. Nach Melle. Genauer nach Melle-Buer (Dehnungs-e!). Eine wirklich schöne Kirche mit einer tollen Akustik. Nicht zu viel Eigenhall. Aber natürlich trotzdem mehr als in einem „normalen“ Konzertraum. Die Kirche in Melle-Buer ist dabei nicht a-cappella-unerfahren. Die medlz gastieren dort seit vielen Jahren mit ihrem Weihnachtsprogramm. Kommt zwar für dieses Jahr wahrscheinlich ein bisschen spät, aber empfehlen kann ich euch das trotzdem! Für nächstes Jahr dann. 🙂

Nach dem sehr agilen Publikum am Vortag, wirkte Melle-Buer doch sehr andächtig. Natürlich auch dem Umfeld geschuldet. Dennoch war es schon besonders, an bestimmten Stellen während der Songs überhaupt gar keine Reaktionen zu bekommen. Z.B. beim Moonwalk von Ingo. Immerhin hatten wir für die Stelle extra den Teppich weggerollt (Foto). 😉 Auch vor Beginn der zweiten Hälfte wurde es auf einmal mucksmäuschenstill im Kirchenraum. Gespanntes Warten auf uns. Wir waren nur noch gar nicht alle auftrittsfähig. Es waren noch nicht alle In-Ear-Kopfhörer angelegt und Mikrofone angeschaltet. Also wurde die Stille für uns fast ein bisschen peinlich. Aber wir haben das Konzert trotzdem noch ganz ruhig und spaßig zu Ende gebracht.

Das Konzert am Samstag in Göttingen hatte schon für mächtig Verwirrung und Sorge im Vorfeld geführt. Wir mussten den Ort relativ kurzfristig verlegen, da uns eine große Studentenparty am ursprünglich geplanten Konzertort akustisch wohl in die Quere gekommen wäre. Ende vom Lied war, dass man natürlich trotz E-Mail-Verteiler, Website- und Social-Media-Postings nicht immer alle Kartenbesitzer auch wirklich erreicht. Wir hatten zwar extra noch zehn Minuten mit dem Beginn des Konzertes gewartet, im Falle das Gäste, die die Verlegung nicht mitbekommen hatten und kurzfristig noch den Ort wechseln musste. Da man uns gesagt hatte, dass etwa 1 Kilometer zwischen den beiden Sälen liegt, hielten wir zehn Minuten Verzögerung für angemessen. Wir wollten ja auch die, die es mitbekommen hatten, nicht zu lange warten lassen. Dennoch kamen knapp 10 Gäste doch noch während der ersten beiden Songs von uns.

Die Verlegung des Konzertes hatte aber auch zur Folge, dass es nun ein Sitzkonzert war. Dennoch wurde hintenraus, spätestens zu „Wir sind da!“ getanzt und gestanden. Und ich habe zum ersten Mal in einem Konzert von uns jemanden wahrgenommen, der auf den Schultern eines anderen saß. Oder war mir das nur aufgefallen, weil es eigentlich in einem Sitzkonzert nicht ins Bild passt?

Noch ein Nachteil der Verlegung: es konnte kein Getränkeverkauf für die Konzertbesucher realisiert werden. Deswegen haben wir das Konzert durchgespielt. Wozu also Pause machen, wenn eh niemand ein Bier bekommt? Ich muss an dieser Stelle sagen, dass ich ziemlich froh bin, dass sich die Beschwerden darüber in sehr engen Grenzen gehalten haben. Ein großes Danke an alle die da waren und so viel Geduld mit uns und der Situation hatten. Ich hoffe, dass wir so etwas nicht so schnell wieder durchmachen müssen.

Besonderheit des Konzertes, oder besser gesagt des Tages, war, dass es der Geburtstag unseres Debütalbums war. Also genau ein Jahr zuvor war „Wir sind da!“ auf dem Markt erschienen. Vielen Dank an unsere engen Fans, die solche Daten irgendwie immer präsenter haben als wir. 🙂

Ach ja, da war noch was. Ist aber eher Marke Situationskomik. Es ging um die doch sehr gespaltene Meinung innerhalb der Band zum Thema „Darf man die Musik der Münchner Freiheit gut finden“. 3:2 für „ja“ übrigens. Das Thema hatte uns bei der Anfahrt beschäftigt (konnte man bei Instagram in unserer Story verfolgen) und sollte uns mit kleinen Nickligkeiten auch während des Konzertes noch nicht in Ruhe lassen.

Abschließend fuhren wir am Sonntag nach Delbrück. Nicht Dellbrück bei Köln übrigens. Ein „l“ weniger. Aber mit Stadthalle. Die „Vorbereitung“ des Konzertes war zumindest bei Nils und mir vom angekündigten Streik bei der Bahn bestimmt. Gar nicht so leicht Alternative Reiserouten zu finden, wenn man KEIN Internet hat. Auch nicht im angeblich besten Netz. Das fehlende „l“ im Stadtnamen könnte auch für mindestens einen fehlenden Balken beim Mobiltelefonempfang stehen. 😉

Auf jeden Fall gab es im Konzert den schnellsten Aussetzer in der Geschichte von „alte bekannte“. Beim allerersten gemeinsamen Einatmer zu „Musik von deinen alten Bekannten“ war mein Gaumensegel offenbar unterspannt. Folge war ein Horst-Schlemmer-Gedächtnis-Grunzer. Hatte ich noch kurz die Hoffnung, dass man das nicht so laut gehört hat, brach Nils plötzlich in totales Gelächter aus. Na gut. Dann also den ersten Song noch mal neu ansetzen. Kann ja mal passieren. 😉

Weitere schwerwiegende Pannen blieben zum Glück aus. Und auch die Ost-Westfälische Zurückhaltung wurde spätestens in der zweiten Hälfte sehr viel besser.

Im Afterglow haben „alte bekannte“ dann zum ersten Mal das Geburtstags-Ständchen aufgeführt. Also fast pünktlich zum Release unserer Neu-Aufnahme. Besser spät als nie. 😉 So wie dieser Blogeintrag.

Mal sehen, wie es nächste Woche läuft. Mein Ziel ist „vor Weihnachten“. Da das also immerhin sechs Tage sind nach dem letzten Konzert, sollte das realistisch sein. Muss aber auch was passieren heute in Gersthofen. Oder in München, Bad Reichenhall und bei unseren beiden ersten Österreich-Auftritten in Sankt Valentin und Wien. Kann losgehen.

Liebe Grüße

Björn

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